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Kardendistel

25.02 15

Oberbekleidung im Mittelalter, war zumeist aus Schafswolle.

Das klingt eintönig, ganz so, als ob man einen Stoff für alle Gelegenheiten gehabt hätte, weil wir uns heute kaum vorstellen können, wie vielseitig die Endverdelung von Stoffen gewesen sein muss.

Eine Möglichkeit der Endveredlung ist das aufrauen der Stoffe. Vermutlich war solch ein Stoff mit heutigem Flanell vergleichbar, denn mittels einer Bürste die mit Naturdisteln gefüllt war, wurden Stoffe je nach Bedarf aufgeraut. Abbildungen solcher Bürsten finden sich in vielen Wappen aber auch in den 12 Bruder Stiftungen.

Einen schönen Artikel über die Kardendistel (Dipsacus sativus (L.) gibt es hier bei Wikipedia:

http://de.wikipedia.org/wiki/Weber-Karde 

Bis heute werden - wenn auch nur noch selten - echte Disteln eingesetzt um Stoffe zu rauhen,dabei werden moderne Maschinen mit Distelköpfen gefüllt.

Auch hierzu einen Artikel bei Wilipedia, mit der Anmerkung das dort die falsche Distel abgebildet ist  :

http://de.wikipedia.org/wiki/Kratzen_(Werkzeug)

links die Distel wie sie bei uns wild vorkommt, rechts eine Kardendistel
links die Distel wie sie bei uns wild vorkommt, rechts eine Kardendistel
Nachbau einer mittelalterlichen Kardenbürste zum aufrauhen eines Wollstoffs

Die Weberdistel ist nun leider weitgehenst ausgestorben.

Um dennoch überhaupt eine Vorstellung von dem Arbeiten mit einer Distelbürste zu bekommen, habe ich die neue Bürste die mein Mann mir gebaut hat, mit Wilden KardenDipsacus fullonum L.) gefüllt und kurz getestet.

 

 

Der Teststoff ist ein handgewebter Wollstoff, 2/1er Köper, das Schussgarn ist Handgesponnen, die Garne S/Z gedreht. Der Versuch wurde auf der Schusslastigen Seite vorgenommen.

Vorsichtig wurde die Bürste mit kleinen getupften Bewegungen über den Stoff gestrichen. Nach wenigen Malen war der Stoff angeraut :

Vergleich eines mit Kardendisteln aufgerauhten Stoffs vor und nach der Behandlung

Man sieht einen deutlichen Unterschied.

Die herausgefallenen Samen ließen sich leicht weg schütteln, Dornen der Distel verblieben nicht im Gewebe.