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Die Textiltage Oerlinghausen 2019 und das Hammerum Bändchen

Die historischen Textiltage in Oerlinghausen sind schon wieder vorüber. Schade, denn es war schön.

Die Textiltage fanden zum zweiten Mal statt und das besondere an ihnen ist, das man Kollegen trifft die man sonst kaum sieht und wenn hat man kaum Möglichkeit sich gegenseitig über die Schulter zu schauen. Aber dazu später mehr.

Insgesammt ist diese Veranstaltung eher ruhig, so dass Gelegenheit besteht sich von extra neugieirigen Besuchern Löcher in den Bauch fragen zu lassen und zu diskutieren. Eine Bereicherung für die Besucher, aber auch für uns Aussteller denn immer wieder vergleicht man branchenübergreifend alte und neue Techniken und Materialien.

 

Obwohl mein Arbeitstag sich gedanklich ständig um historische Textilien dreht, gibt es immer wieder Funde die für mich neu sind oder die ich einfach noch nicht genügend angeschaut habe. So war es in diesem Jahr das Bändchen aus Hammerum das mich erstaunt und erfreut. Ragnhild hatte es neben ihren Färbetöpfen am Webstuhl und war so lieb es mir zu zeigen. 

Beeindruckt wollte ich das Bändchen zu Hause gleich nachweben um die Technik im wörtlichen Sinn zu begreifen. Die Literatur stand im Regal also nachgelesen und los gelegt.

 

Nun denn eine Zusammenfassung zum Fund:

 1993 wurden beim Bau einer Straße in Hammerum Nähe  Herning, Jutland/Dänemark ein eisenzeitlicher Friedhof gefunden. 

In einem der Gräber befand sich eine Frau mit einem luftig kurzen Kleid bekleidet und einer hübschen Flechtfrisur. Das Kleid wurde einem Peplos ähnlich mit Fibeln an den Schultern gehalten. An der oberen Kante des Kleides befindet sich eine schmale dreifarbige Borte.

Die Borte ist relativ einfach geearbeitet und doch sehr raffiniert. Sie hat zwei unterschiedliche Bindungen : Leinwand und Kettrips. Die Leinwandhälfte wird so gearbeitet das ein Schlauchgewebe entsteht. Die Kollegin stellte mir das Bändchen als Rollband vor.

Das Bändchen hat an der blauen Seite die am Kleid zur Haut hin  sitzt eine griffige, runde Seite. Es ist aus Wolle, hat 7 rote, 3 weiße und 10 blaue Fäden.

Datiert ist der Fund auf das 1. Jhr n.Chr.

 

Bei der Frage wozu die Schlauchkante, fällt mir auf, das sich an römischen Gewändern am Halsausschnitt Kordelabschlüsse finden. Diese werden völlig anders hergestellt, haben aber eine ähliche Optik und Griffigkeit. Ob dies Zufall oder Absicht ist vermag ich nicht zu beantworten.

Litaratur :

NESAT 11 Ulla Meinerig, Lise Ræder Knudsen "Hammerum : The Find of the Century"