Auf der Basis von 3 alten Fotografien Schnalztaler Weber wurde ein erster Versuch unternommen den Geweben von damals nahe zu kommen.
Da mir keine Bildrechte an diesen Bilder gehören, kann ich sie leider nicht hier zeigen.
Einschätzung der Fotos :
Auf den Webstühlen lässt sich ausschließlich Leinwandbindung herstellen, beide Webstühle haben jeweils 2 Schäfte. Für Köper benötigt es mind. 3 Schäfte.
Den Webstuhl des Pfeifenrauchers schätze ich auf eine Webbreite von etwa 1 bis 1,20m Webbreite, die Fadendichte schätze ich irgendwo zwischen 4-6 Fäden/1cm ein. Das würde zum eher rauen Schafvlies passen das sich ja nicht hauchfein ausspinnen lässt. Auch die Strickjacke des jungen Mannes wirkt wie aus heimischen Garnen gemacht. An der Handbewegung des Pfeifenrauchers erkennt man die Arbeit mit einem einfachen Handschützen (Schiffchen mit Garnröllchen) und auch der junge Mann scheint einen schlichten Handschützen zu halten.
Die Tuchbahn auf der Wiese scheint an der Webkante recht füllig, entweder weil das Tuch eine wirklich dicke Mantelqualität hat oder die Webkante hat sich etwas eingerollt, was nasse Kanten gerne tun. Nichtsdestotrotz kann man von einem eher schweren gewalkten Tuch ausgehen.
Die Umsetzung :
Verwendet wurde für den Versuch Wolle vom Rhönschaf, das in seiner Feinheit des Einzelhaars bei 32-36 Micron liegt. Das Rhönschaf gilt als alte Rasse, die erste urkundliche Erwähnung findet sich um 1845. (Quelle : Buch von Barbara Aufenanger „Das Wollprojekt“ )
Die Rohwolle wurde in einer kleinen Wollmühle gewaschen und zum Vlies gekämmt.
Auf dem Spinnrad wurde es zu Z-gedrehtem Einfachgarnen für Kette und Schuss sowie zu S-gedrehten Einfachgarn für den Schuss versponnen. (vermutlich feiner als die Originale)
Das Kettgarn wurde einige Tage mit einem Gewicht im Freien angefeuchtet ausgehangen und unter Spannung auf eine Kone gewickelt einige Tage auf der Heizung gelagert um den Drall zu regulieren.
Das S-Garn wurde vom Spinnrad runter auf eine Kone straff gewickelt, nass gemacht und auf der Heizung getrocknet.
Das Garn entspricht etwa : 58,8m = 29g = c.a. NM2,06
Um eine Gewebeprobe zu erhalten wurde eine etwa 1m lange Kette abgelängt und auf einem kleinen Musterwebstuhl (Louet Klick) aufgezogen. Die Gewebedichte liegt bei 6Fäden/cm in der Kette.
Das nun erhaltene Gewebe wurde in 5 Stücke unterteilt :
Probe 1 S/Z Probe bleibt ungewaschen, so wie sie vom Webstuhl kommt
je 1 Probe S/Z (Probe 2a) und Z/Z (Probe 2b) wurde von Hand gewaschen (handwarm mit einer Handwaschseife)
Je 1 Probe S/Z und S/S (Probe 3 a+b) wurden mit schwerer Wäsche ganz normal in der Waschmaschine gewaschen: Programm 3,5 Stunden 50C° Vollwaschmittel. Die Proben sind nicht zufriedenstellend gewalkt und sollen nach dem Trocknen erneut bearbeitet werden.
Alle nassen Proben wurden zum Trocknen gespannt.
Proben 3 a+b wurden mit kochenden Wasser übergossen, in kaltes Wasser gelegt, anschließend mit Olivenölseife eingerieben und mit den Füßen einige Minuten lang gewalkt, mit warmen Wasser ausgewaschen, erneut eingeseift, erneut gewalkt, abwechselnd in kalten und heißen Wasser gespült und zum Trocknen auf eine Unterlage gespannt.
Das Ergebnis ist unbefriedigend. Die Proben sind verdichtet und angefilzt, sehen allerdings in keinster Weise wie Loden aus. Möglicherweise filzt die Faser des Rhönschafs weniger gut als die Faser des Schnalztal-Schafs.
(Anmerkung: jeder Pullover mutiert falsch gewaschen zur Filzplatte, warum ausgerechnet diese Probe formstabil bleibt ist mir ein Rätsel)
Die Probe 3a (S/Z) war ursprünglich 20x20cm groß und ist nun 16cm in Kettrichtung und ca 18cm in Schussrichtung groß
Probe 3b (Z/Z) war ebenfalls 20x20cm groß und ist nun 15,3x 18cm groß
Es hätte einer anderen Faser bedurft, das Rhönschaf war rückblickend betrachtet, keine gute Wahl. Aus Zeitgründen konnte nicht auf Faser aus dem Schnalstal zugegriffen werden.
Silvia Bestgen
Januar/Feb 2026
für den Archäopark Schnalstal



