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Pflanzenfasern 1

Die allerersten Textilien waren wohl aus Pflanzenfasern und stammen aus dem Neolithikum, also der Steinzeit. Pflanzenfasern sind ohne die Haltung von Nutztieren einfacher verfügbar.

Die ersten erhaltenen Stücke ähneln mehr Körben denn Geweben, die Übergänge von Behältnissen und Kleidung sind in meinen Augen fließend. Sehr anschaulich zeigt das Armin Maiwald, den Link findet Ihr unten.

 

Bisher ging man in der Archäologie davon aus, das man Baumbaste und Leinen verarbeitet hat, aber neuere Erkentnnisse zeigen dass man auch Brennnessel und möglicherweise auch andere Pflanzenfasern verarbeitet hat.  Vieles ist nicht mehr erhalten, was nicht verwundert, denn Pflanzenfasern sind schneller vergänglich als tierische Fasern, zudem sind die meisten frühen Textilfunde in unseren Breiten aus den Mooren und Moorsäure zerstört pflanzliche Fasern.  

 

Meist zweimal jährlich baue ich mein Textildisplay in Museen auf. Dies tue ich mit Hilfe einer Mappe die viele Nachwebungen von historischen Textilien enthält, so auch ein kleines Bastgewebe in Zwirnbindung (siehe Bild), zu dem man keinen Webstuhl sondern nur zwei fixe Punkte zur Befestigung bei der Arbeit  benötigt. 

Bast gewann man damals von umgestürzten Bäumen, bei denen die Verrottung schon eingesetzt hatte. Zwischen Borke und Holz befindet sich eine feine Schicht Bast, die sich dann abziehen lässt. Bast von Linden soll der beliebteste gewesen sein.

Da meine kleine Fühlprobe aus Bast immer wieder für Stirnrunzeln bei den Besuchern sorgt, hätte ich gerne auch eine Fühlprobe aus einem Material das Textilien mehr ähnelt als der feste Bast. Ich möchte ein kleines Stückchen Stoff haben, zu dem ich den Besuchern erzählen kann wie viele Stengel darin stecken und sie fühlen lassen kann dass es ein schönes Textil ist und nicht etwa etwas Kratziges wie es im Märchen der 3 Schwäne erzählt wird. 

Im letzten Jahr war ich zu spät dran, in diesem Jahr hat die Stadt mal wieder sämtliche Grünstreifen rasiert, aber zum Glück gibt es in meiner Nachbarschaft den Sascha von Selfbio und der hat in einer Ecke wunderbare Brennneseln, die er für mich stehen lassen hat. 

Zusammen haben wir für seinen Youtube-Kanal ein Video gedreht, in dem wir zeigen wie man aus einer frisch gepflückten Brennnessel ein Schnürchen zum Pflanzen Anbinden aus dem Stegreif herstellen kann. So kann man sich behelfen wenn man zB im Schrebergarten etwas anbinden möchte und die gekaufte Schnur aus ist.

Die Brennnesseln mag ich haben um ein Gefühl für die Faser zu bekommen. Wie oben beschrieben: ich möchte gerne wissen wie viele Pflanzenstengel es braucht um einen Strang Fasern zu erhalten, und auch um Museumsbesuchern zu vermitteln, wie kostbar Textil sein kann. Einfach bedeutet nicht dass etwas primitiv ist.

Ein Brennnesselstiel ist ähnlich aufgebaut wie ein Baumstamm, es gibt in der Mitte holzige Anteile, aussen eine Art Rinde und dazwischen eine dünnen Bastschicht. Dieses Bastschicht ist die Basis für Textil. Deutlich weniger ergibig als Flachs, aber dafür kann man sie wild sammeln, ohne dafür Ackerfläche bearbeiten müssen. Stellt Euch vor Ihr lebt in der Bronzezeit, da ist einfach sammeln noch mal viel attraktiver als mühsam anbauen.

 

Wie die Nessel aufgebaut ist und wie man die Fasern gewinnt seht Ihr im Video. Nichts von dem ist neu, nichts davon ist von mir erarbeitet, das Wissen dazu ist alt.

Für feine Schnur kann ein Baststreifen in dünne Streifen geteilt werden, die Schnur im Video ist absichtlich dick, damit man besser erkennt was gemacht wird.

 

Die bei Sascha gepflückten Nesseln habe ich bei mir im Garten entblättert, die Blätter werden zu Jauche angesetzt um mein Gemüsegärtchen damit zu düngen

Die Stängel habe ich mit einem Gummihammer, immer 3-4 gleichzeitig auf geklopft und dann den Bast abgezogen. Für 191 Stück habe ich etwa 6 Stunden benötigt. 5 Bündel aus jeweils ca 40 Stängeln sind entstanden.

Als nächsten Arbeitsschritt habe ich die Stränge in einer Lauge die ich mit Soda hergestellt habe kurz eingelegt und gewaschen, anschließen mehrmals gespült. Die Stränge liegen nun zum trocknen aus. Ob das so richtig ist ? Keine Ahnung.

Wie es weiter geht zeige ich demnächst in einem neuen Post.

Die Steinzeit Maus mit Armin Maiwald : https://www.youtube.com/watch?v=Y5fvpYy6htc&list=PLP_3V2jkMk2ZKOE5iYTgl61dtbHC1D5z-

 

 Das Video bei Selbio : https://www.youtube.com/watch?v=3Bv-g_BGpYM&t=944s

 

Von mir zur Vorbereitung genutzte Quellen :

https://sciencev2.orf.at/stories/1705543/index.html

https://www.researchgate.net/publication/231614477_Nettle_as_a_distinct_Bronze_Age_textile_plant

besucht am 04.06 2026

Sowie die Videos von Sally Pointer  https://www.youtube.com/@SallyPointer

und querlesen in der Facebookgruppe "nettles for textiles"

 

Vielen Dank an Monika S. aus Dresden die mich immer wieder mit Infos, Ideen und Material versorgt.  Ohne sie wäre ich nie auf die Idee gekommen Brennnesseln zu verarbeiten.