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Schlauchkante - modisches Gimmick oder technisches Hilfsmittel ?

2 gleichwertige Mäntel : links mit Schlauchkante, rechts ohne
2 gleichwertige Mäntel : links mit Schlauchkante, rechts ohne

Die Schlauchkante ist eine Merkwürdigkeit an frühmittelalterlichen Textilien. Gerne auch "Bittewaas ?" genannt.

Diese Kanten die die normalen seitlichen Webkanten eines Gewebes abschließen, lassen sich nicht ohne Aufwand am modernen Handwebstuhl integrieren, und auch am Gewichtswebstuhl ist es mit einem Mehraufwand an Arbeit verbunden.

Vor einiger Zeit habe ich dem Thema schon einmal einen Blogpost gewidmet mit der Überlegung ob diese Kante ein technisches Hilfsmittel ist,  in dem ich überlege ob es ein Mittel ist die Breite des Gewebes zu halten. Man kennt es vom Schulwebrahmen, das Gewebe hat den Drang sich immer weiter nach innen zu verjüngen. Eine auf extra hoher Spannung gehaltene Schnur die im Inneren der Kante gewesen sein könnte und später wieder entfernt wurde könnte dies verhindert haben. Belegen kann man dies nicht.

Gedanken zur Schlauchkante

 

Zwei Manteltücher einer Kette im Vergleich.

 

Die Tücher sind nach dem Fund des Manteltuchs aus dem Bernuthsfeld-Moor nachgearbeitet. Alle Garne sind einfädig, die Kette liegt 7 Fäden/1cm dicht. Als Kette wurde ein industriell gesponnenes Garn verwendet, das zur besseren Haltbarkeit nachgesponnen wurde. Die Schussgarne sind ebenfalls industriell gesponnen und so verarbeitet wie es von der Kone kommt. Alle Garne haben anders als beim Fund die gleiche Spinnrichtung.

Beide Tücher haben angewebte Borten an der einen Schnittkante und  Zöpfchen an der Anderen.

Zur schnellen Sichtbarkeit habe ich die betreffenden Kanten rot markiert.

 

Erst auf dem zweiten Blick erscheint der Mantel mit Schlauchkante einen glatteren Rand zu haben. Man muss jedoch schon sehr genau hinschauen. Auf den Fall des Gewebes hat die Kante keinen Einfluss.

Im Detail erkennt man dass die Schlauchkante ist ein wenig fülliger ist als die einfache Webkante.

Das wars jedoch auch schon. Das Rätsel bleibt ungelöst.

 

Möglich dass es eine modische Spielerei, ein technisches Hilfsmittel oder ein eitler Wettbewerb der Weberinnen  war. Letzteres kennt man als inoffizieller Wettbewerb wer fürs Pfarrfest den besten Kuchen gebacken hat. Am Ende sind alle Kuchen aufgegessen, aber über den nicht eingefallenen Käsekuchen von der Frau Schmitz wird gesprochen. Wie hat sie das nur gemacht ?

 

Literatur:

Vorzeitfunde aus Niedersachsen

TeilB Hans Hahne Moorleichenfunde aus Niedersachsen