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Tunica manicata: eine für alle ?

Als ich zum ersten Mal so ein riesiges Kleidungsstück im Museum sah, habe ich mich gefragt wer das wohl getragen hat. Wie groß oder breit der oder die Träger:in des Stücks damals war.

Es sieht so fremd und unproportional aus. Diese Stücke werden in der Regel wie auf Stangen hängend präsentiert und eigentlich wäre ein Bild der Trageweise dazu hilfreich.

Die Tunika im Bild ist eine Auftragsarbeit. Eine ähnliche hatte ich schon einmal für einen anderen Kunden gefertigt, aber diese wurde vom Kunden selbst genäht und fürs Foto nur von mir zusammen gesteckt. Diesmal ließ der Kunde jedoch auch nähen und so konnte ich eine kleine Fotoserie mit den Trageweisen machen.

So einfach auf die Puppe geworfen wirkt die Tunica sehr, sehr groß. Ein wenig als hätte ein Kind Erwachsenenkleidung an. Aber so wurden die Stücke nicht getragen.

Die Tunicen, nicht nur diese sondern auch die koptischen mit den hübschen Bildwebereien, sind unter der Achsel vom Ärmel bis in die Rumpfseite hinein an den Nähten ein Stück weit offen. Das ermöglicht den geraden Zuschnitt des Ärmels. Die Armröhre kann am Arm ein Stück hochgeschoben werden, so das sie an der höchsten Stelle straff sitzt und da bleibt. Nun wird die Schulter zu den Seiten hin geschoppt, mit oder ohne Gürtel.

Man kann die Ärmel als Schlupfärmel tragen und sie bei Hitze oder bei der Arbeit ganz ausziehen und wenn man mag hinten in den Gürtel stecken. Dafür gibt es Bildbelege. Da meine Figurine nicht nur kopflos ist sondern auch keine Arme hat habe ich nachgezeichnet.

 

Das Besondere an dieser Art Kleidungsstück ist, dass sie universell passend ist, ganz egal ob man groß oder klein, dick oder dünn ist, sie passt jedem und jeder. 

Siehe auch : 

 koptische Bildwebereien ein Versuch

Tunica nach einem Mosaik der Villa Romana del Casale

Koptische Bildweberei 2

 

Zur Zeit ist so eine Tunica im Shop erhältlich


Vielen Dank an  Malte Seils, Präsident der Augustus Gesellschaft e.V. für  den Auftrag und das Ergänzen des Fachterminus 

Literatur :

Methods of dating ancient textiles of the 1st millennium AD from Egypt and neighbouring countries

Antoinette De Moor and Cäcilia Fluck